Französisch Polynesien – Rangiroa

Interview vom
17.11.2020

Mario und Nina von der SY Seatramp – sind gefangen im Paradies! Könnte schlimmer sein, oder? Wie und warum sie bis nach Französisch Polynesien gekommen sind, wie es den beiden momentan geht und was nach Corona geplant ist, erzählt die Crew der Seatramp jetzt.

Mario, im wahren Leben eigentlich Informatiker aus Essen, hatte bereits seit einigen Jahren das Segeln für sich entdeckt und jedes Jahr mit seinen Jungs eine Woche ein Boot in Kroatien gechartert. Einmal Blut geleckt und Lust dies länger zu machen, charterte er 6 Wochen ein Boot um herauszufinden ob es auch dauerhaft Spaß machen wird. Mitten in der Planung steckend, kam Nina, Vollblut Recruiterin aus dem Kölner Grossraum, in sein Leben und hat sich kurzerhand ohne Segelerfahrung für 2 Wochen mit auf das Abenteuer eingelassen.

Zurück nach diesen spannenden und nicht immer nur schönen Wochen auf See wurde Mario klar, das er es durchaus länger machen wollen würde- und das am Besten so lange er noch jung und fit ist.

Einige Monate später bei einem Glas Wein auf dem Balkon wurde die Idee geboren, wir kündigen unsere Jobs und nehmen uns eine 3 Jahresauszeit und segeln um die Welt! Gesagt getan, setzten wir uns das Ziel in einem Jahr zu starten. Motor Seminare, Medizin auf See und der SBF See Führerschein wurden absolviert und die scheinbar endlose Suche nach dem passenden Boot wurde gestartet. Und als die Hoffnung schon fast aufgeben wurde, passierte es, wir haben SIE gefunden! Eine wunderschöne Bavaria 46 von 2005 mit Liegeplatz in Spanien sollte unser Zuhause werden. Unsere Seatramp lag 12 Jahre nur im Hafen und hatte gerade mal 1000 Meilen und 160 Motorstunden auf dem Buckel. 

Euer aktueller Standort?

Wir befinden wir uns aktuell im zweit größten Atoll der Welt, Rangiroa in den Tuamotus.

Wie läuft hier die Einreise während Corona ab?

Als wir im März in Panama aufgebrochen sind waren die Grenzen von FP  offiziell schon geschlossen. Allerdings war die Aussicht einen Lockdown vor der panamesischen Küste mit unseren Erfahrungen absolut keine Option, also bereiteten wir uns mental bereits auf ein langes Segeln nach Deutschland vor, sollte uns tatsächlich keine anderes Land mehr erlauben einzulaufen.

Nach 40 Tagen überfährt erreicht wir Nuku Hiva, Marquesas,  FP und kamen zufällig an dem Tag an, als der Lockdown gelockert wurde und Boote nicht direkt nach Tahiti weiter mussten. Ein offizielles einklariern war nicht möglich, man wurde aber geduldet. Generell muss man seine Ankunft in FP Gewässern 48 Stunden vorher ankündigen, inkl Crewdaten. Da wir beide den deutschen Pass haben und in französischen Aussengebiet angekommen sind, benötigen wir keine Visas und dürfen uns vorerst unbegrenzt hier aufhalten. Da unsere Ankunft bereits Ende April war, FP seit März keine aktiven Corona Fälle hatte wurde die Zeit auf See als genügend Quarantäne anerkannt und wir durften und sofort frei bewegen und die wunderschöne Insel erkunden. 

Heutiger Stand bei der Einreise mit dem Flugzeug:
Bei meiner Rückkehr vor einigen Wochen musste ich allerdings nach neuer Lage einen 72 std alten negativen Test nachweisen , 4 Tage in Selbst Quarantäne und einen erneuten Test absolvieren. Der Selbsttest in FP ist kostenlos.

Wie ist die aktuelle Lage vor Ort?

Aktuelle Situation vor Ort und Zukunftsprognose?
Aktuell ist Polynesien mit eins der schlimmsten getroffenen Länder – im Verhältnis zu den Einwohnern gesehen. Stand 16.11 gibt es 12121 Fälle bei einer Bevölkerung von nur 272000 Einwohnern. Die meisten Fälle gibt es in Tahiti. Die Bevölkerung wird zunehmend wütender mit der Regierung und verlangt eine Schließung des Flughafens. Dieser wurde am 15.7. aus ökonomischen Gründen wieder eröffnet, danach gingen die Zahlen nach oben. Nicht wie befürchtet von Touristen, sondern Einheimischen Rückkehren aus Frankreich. Die Stimmung kippt langsam nachdem die Todeszahlen steigen. Die meisten Menschen der Bevölkerung sind Risikopatienten, Übergewicht und Diabetes ist hier weit verbreitet. 

Was ist offen und was ist geschlossen (z.B. Bars usw.)?
Wirkliche Einschränkungen seitens Regierung gibt es nicht. Alkoholverkauf am WE, Ausgangssperre von 21-4 Uhr. Kontakte vermeiden, Maskenpflicht in der Öffentlichkeit. Bisher greift keine der Maßnahmen. Die Einheimischen haltet sich leider nicht an die Quarantäne wenn sie auf ihre Atolle  zurück kommen, daher breitet es sich nun auch an den einsamen Orten aus. Zu Seglern sind die Einheimischen aber nach wie vor extrem freundlich. Sobald klar ist das man schon länger im Land ist und nicht gerade aus Tahiti kommt, wird man herzlichst empfangen und behandelt, trotz Maske im Gesicht. Restaurants und Bars haben außerhalb von Tahiti noch ein regulär geöffnet und man freut sich über jeden Gast, lebt man hier doch fast ausschließlich von Touristen. 

Lebensmitel und Medezinische versorgung?
Die Lebensmittel Lage ist so gut oder schlecht wie zu Zeiten vor Corona. In Tahiti gibt es alles, die Atolle werden von Versorgungsschiffen beliefert, mal gibt es also frisches Obst und dann erst wieder 2 Wochen später. Man gewöhnt sich schnell daran und passt sich an. Wirkliche Engpässe gibt es nicht, es war hier halt schon immer so.

Die medizinische Versorgung ist überwiegend mit französischer Ausbildung entsprechend gut, allerdings kommt man hier durch die niedrige Bevölkerungszahl halt schnell an seine Grenzen. Es gibt nur 200 intensivbetten, diese reichen im Regelfall. Noch kann die Krise bewältigt werden.

Sicherheitslage? Ist es gefährlich(er) geworden?
Wirklich unsicher haben wir uns hier noch keinen Tag gefühlt. Wir leben im Paradis, FP ist groß genug um sich von Corona fern zu halten und die Landschaft bietet genug um den Tag ohne Sorge zu verbringen. Der tägliche Schnorcheltrip mit Haien ist sicherlich gefährlicher. Unsere Tage gehen erstaunlich schnell um. Zeit für Projekte an Bord, abends ein Sundowner mit anderen Seglern und viel geniessen des Ausblicks. Unsere Freiheit wie wir Segler sie kennen mag  eingeschränkt sein, dennoch geht es uns bei weitem besser als unseren Freunden und Familien zu Hause eingesperrt in Deutschland. Das einzige wirkliche Problem mit dem wir konfrontiert sind, wir befinden uns mitten im Zyklone Gebiet. Die Wahrscheinlichkeit das FP getroffen wird ist zwar generell sehr gering, aber nicht unmöglich. Hier werden wir also noch wachsamer die Wetterforecasts im Auge behalten müssen.

Wie sind eure weiteren Pläne?

Aktuell genießen wir einfach weitere schöne Wochen auf den Tuamotus und hoffen, dass die Grenzen westlich gelegener Länder nächstes Jahr wieder öffnen und wir unsere Reise fortsetzen können.

Wir sagen Danke!

Hammer Bilder und eine tolle Geschichte, die Lust auf “Meer” machen. Wenn ihr die beiden besser kennenlernen wollt, einfach auf YouTube abonnieren oder den Social Media Accounts folgen und schwupps…bist du live dabei, an den schönsten Flecken der Welt. 

Wir wünschen euch ein ganz baldiges Weiterkommen. Bis dahin sind wir uns aber ganz sicher, ihr genießt jeden einzelnen Tag in Französisch Polynesien… mit oder ohne Corona.

@SailingSeatramp

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