Französisch Polynesien - Tahiti

Interview vom
17.11.2020

Wer kennt sie nicht? Die Crew der Atanga (Atanga ist Maoi und bedeutet ‘schön’) – Joachim und Sabine aus Hamburg. Die beiden sind sind schon lang unterwegs und genießen ihre Freiheit auf dem Wasser und am Liebsten vor Anker. Jetzt stecken sie mit ihrer Hanseat 42 auf Tahiti fest. Wer hätte sich so etwas träumen lassen. Wir nicht! Bei den beiden ist das Glas jedenfalls immer halbvoll und sie nehmen´s mit Humor – wie immer eigentlich. 🙂

 

Wir haben vor sieben Jahren in Deutschland unsere Jobs gekündigt und unser Haus mit Pütt und Pann verkauft. Was wir behalten haben, passt in einen Lagerraum von einem Quadratmeter. Unsere Atanga hatten wir bereits fünf Jahre zuvor gekauft für den Plan auf unbestimmte Zeit um die Welt zu schippern.

Vor 6,5 Jahre sind wir in Hamburg gestartet und unser Ziel ist eine Weltumsegelung. Wir sind von der klassischen Barfuß-Route etwas abgewichen und haben Umwege über Kap Verden, Französisch Guyana, Mexiko, Kolumbien, Ecuador und die Osterinsel unternommen. Wir befanden uns  im abgelegenen  Gambier Atoll (Französisch Polynesien) als die Corona-Krise begann.

Euer aktueller Standort?

Wie läuft hier die Einreise während Corona ab?

Welche Regeln gibt es zu beachten?
Man benötigt zur Zeit eine Einreisegenehmigung, wenn man mit dem Boot nach Französisch Polynesien möchte.

Gab es Probleme bei der Einreise?
Wir waren schon vor der Pandemie im Land und hatten dem entsprechend keine Probleme. Als EU Bürger darf man (wenn man nicht arbeiten möchte) im Land bleiben so lange wie man möchte. Das Boot muss nach zwei Jahren (neue Regelung ab Juli 2020) für ein halbes Jahr das Land verlassen oder man muss es versteuern.

Welche Besonderheiten gibt es beim Einklarieren wg. Corona? Muss man in Quarantäne und wie lang?
Wer in Tahiti einreist, muss sich einem Corona-Test unterziehen, der nach vier Tagen wiederholt wird. Da aber die meisten Boote erst einen Stopp auf den Marquesas oder in Gambier einlegen, entfällt dieser Test. In den Atollen gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen, die der jeweilige Bürgermeister entscheidet. Meistens wird eine vierzehntägige Quarantäne angeordnet.

Ist ein Test nötig? Wann und wo sollte man sich testen + Kosten?
Ein Test soll in Tahiti ca. 320 USD kosten.

Wie ist die aktuelle Lage vor Ort?

Aktuelle Lage und zukünftige Prognose?
Der Präsident in Französisch Polynesien möchte nicht die Grenzen schließen. Seine Meinung: “Die Bevölkerung muss mit dem Virus leben. Falls die Grenzen erneut geschlossen würden, käme es zu einer wirtschaftlichen Katastrophe. Es seien bereits über 4000 Arbeitsplätze entfallen.”
Die Anzahl an positiv Getesteten ist im weltweiten Vergleich eine der höchsten. Seit Oktober liegt die Zahl bei ca. 250 positiv getesteten Personen täglich. Das ist umso bemerkenswerter, als nur noch Menschen mit Symptomen getestet werden.
Die Zahl der Verstorbenen ist im Vergleich dazu sehr gering (52 Menschen – Stand 12.Nov.20). Das Krankenhauspersonal wurde mit Hilfe von Frankreich aufgestockt und es stehen noch über die Hälfte der Intensivplätze zur Verfügung. Der Präsident vermutet den Höhepunkt der Pandemie im Dezember und dann eine deutliche Entspannung. Es scheint, dass seine Strategie Herdenimmunität heißt.

Wie sind die Menschen drauf?
Freundlich wie immer – man hat keine Probleme als Tourist. Die Menschen tragen ihre Masken dort wo sie müssen. Darüber hinaus halten sie sich nicht so sehr an die Regeln. Kommentare im Internet gehen in die Richtung, dass man mit der Strategie der Regierung weitestgehend einverstanden ist (geschätzt ca. 60 Prozent).

Was darf man & was darf man nicht?
Ausgangssperre von 21:00 Uhr bis 4:00 morgens (Tahiti und Moorea);
Maskenpflicht in Geschäften und wo es eng wird, Versammlungen über 10 Personen sind nicht erlaubt.

Was hat offen und was geschlossen (z.B. Bars, etc)?
Alles hat geöffnet bis 21:00 Uhr – außer Diskotheken und einige Bars.

Sicherheitslage? Ist es gefährlich(er) geworden?
Nein, gar nicht. Wir waren letztes Jahr um die gleiche Zeit in Tahiti und die Situation hat sich nicht geändert.

Wie ist die generelle Versorgung (Lebensmittel, Medizin, etc.)
Unverändert – wie vor der Pandemie. Die Versorgung hängt in Französisch Polynesien maßgeblich vom Standort ab. Abgelegene Atolle haben eine eingeschränkte Versorgung in Lebensmitteln und ärztlicher Versorgung. Auf Tahiti sieht es deutlich besser aus. Hier ist die ärztliche Versorgung super und die Auswahl an Lebensmitteln erreicht einen hohen Standard.

Wie geht es euch persönlich? Wie verbringt ihr die Zeit?
Wir wollten um diese Zeit eigentlich in Neuseeland sein und dort mit dem Schiff für umfangreichere Arbeiten aufs Trockene gehen. Wir erledigen jetzt diese Arbeiten schwimmend und so gut es geht mit den eingeschränkten Möglichkeiten vor Ort. In ungefähr zwei Wochen werden wir fertig sein und segeln dann zu den westlichen Gesellschaftsinseln.

Wie habt ihr euch vorab informiert?

Apps, Links oder Kontakte?

Über Noonsite und diverse Blogs, Segelfreunde vor Ort und Facebook-Gruppen. Die Gruppe ‘French-Poly-Cruisers ist sehr informativ und hilfreich.

 

Wie sind eure weiteren Pläne?

Alles ist total offen. Die Grenzen Richtung Westen haben geschlossen. Neuseeland wäre unser nächstes Ziel gewesen. Leider zeigt es sich nicht, dass Neuseeland in absehbarer Zeit wieder öffnet. Zudem hat die Zyklon-Saison gerade begonnen, die wir in Französisch Polynesien relativ sicher werden verbringen können. Nach der Zyklon-Saison im Mai sehen wir weiter. Es wäre von hier aus noch die USA zu erreichen – leider haben wir kein Visum und alle Anfragen, ob es für uns von hier aus möglich ist ein Visum zu bekommen, sind im Sande verlaufen.
Als weitere Optionen gäbe es Asien, Kanada oder der Weg über Kap Horn zurück. Alles weite Strecken zum Teil mehr als 5.000 Meilen am Stück. So weit sind wir noch nicht… 😉

Wir sagen Danke!

Wer Sabine, Joachim und ihren Blog noch nicht kennt, übrigens einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Segelblogs,  sollte das schnellstens ändern. Die Beiträge sind sehr humorvoll und mit einem Augenzwinkern geschrieben. Vor allem die detaillierte Reisekostenaufstellung der Langfahrt, ist schwer gefragt. Hier findest du die Links zum Blog, sowie zu den Social Media Accounts.

atanga.de

@syatanga

@sy_atanga__sabine

@syatanga

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