Blauwassersegeln in Corona Zeiten – auch uns hat es voll erwischt. Wir haben es noch von Lanzarote über Teneriffa bis nach La Palma geschafft. Jetzt sitzen wir hier in der Marina La Palma fest – zum Glück gesund und munter. 

Wie alle da draußen wissen wir momentan nicht, wie es weitergeht und wann wir wieder in See stechen können. In Spanien geht die Ausgangssperre aktuell noch bis 11.04. Heute haben wir von unseren Nachbarn erfahren, dass bis Ende April verlängert werden soll.

Wie es uns momentan geht, was wir Tag ein Tag aus machen, unsere Erfahrungen mit Corona auf La Palma und wie es (hoffentlich) mit dem Blauwassersegeln weiter geht – davon berichten wir in diesem Beitrag.

Wie alles begann

Während des Karnevals auf Lanzarote haben wir das erste Mal von Corona gehört. Einige Segelfreunde wollten nicht mitfeiern und hatten Angst sich anzustecken. Wir fanden das damals noch etwas hysterisch und feierten ausgelassen mit tausend anderen Menschen den Karneval.

Auf Teneriffa wurde es dann langsam ernst. Wir bekamen immer mal wieder die Nachrichten aus der Heimat mit. In Teneriffas Süden wurde gerade ein ganzes Hotel unter Quarantäne gestellt. Trotzdem erkundeten wir bedenkenlos die Hauptstadt Santa Cruz und bekamen weiter nichts von der Krise mit.

Auf La Palma hatten wir das Glück, uns die zwei Tage vor der plötzlichen Ausgangssperre, noch die Insel anschauen zu können. Am 13. März kam der Shutdown. Die Ausgangssperre bemerkten wir erst, als wir auf dem Weg zum Supermarkt waren. Die Straßen von Santa Cruz waren wie leer gefegt, kein Mensch, kein Auto weit und breit und alle Geschäfte geschlossen. Der erste Gedanke, der uns gleichzeitig in den Kopf schoss – Endzeitstimmung! Wie in einem der schlechten Zombie-Apokalypse Filme.

Maßnahmen gegen Corona - Spanien vs. Deutschland

Zu diesem Zeitpunkt saßen die Deutschen noch alle fröhlich  in den Cafes und Biergärten und freuten sich über die ersten warmen Tage. Wir haben überhaupt nicht verstanden, warum Deutschland so lange mit strickten Maßnahmen gewartet hat. In Spanien wurde schnell reagiert und das ohne große Diskussionen. 

Obwohl sich der Alltag der lebensfrohen Spanier sonst ausschließlich draußen abspielt und sie absolute Familienmenschen sind, halten sie sich streng an die Regeln um das Virus so schnell wie möglich wieder los zu werden. Da könnten sich einige Leute daheim ein Beispiel dran nehmen. Was ist so schlimm daran, einfach mal für ein paar Wochen vernünftig zu sein, nicht das persönliche Ego durchzusetzen und lieber auf das Gesamtwohl zu achten?

Die Einwohner La Palmas machen auf uns alle einen glücklichen und gefassten Eindruck. Sie stellen sich ohne zu murren an der Supermarkt-Schlange an, halten genügend Abstand, ziehen Handschuhe und Mundschutz an, es gibt keine Hamsterkäufe und das Wichtigste – sie bleiben zu Hause – vom ersten Tag an!

Unser Bordalltag in Corona Zeiten

Seitdem spielt sich unser Leben auf 10 Quadratmetern ab. Zum Glück lieben wir uns sehr, sonst wäre schon längst einer von uns über Bord gegangen. 🙂

 Der Hafen ist so gut wie leer und man darf sich zumindest auf dem gesamten Areal der Marina frei bewegen. Außer uns sind noch 3 weitere bewohnte Schiffe hier. Mark und Doro von der SY Desiderata, haben ein schönes Video zum Thema gedreht.

Unser Tag besteht daraus Netflix rauf und runter zu schauen, am Blog zu arbeiten, das Schiff zu putzen,  in der Sonne zu liegen, zu schlafen und zu essen. Anfangs war unser Tages-Highlight noch Einkaufen zu gehen, aber selbst dafür sind wir mittlerweile zu faul. 

3 Wochen geht das jetzt schon so. Langsam aber sicher zehrt es an unseren Nerven – wir sind ab und zu etwas gereizt, versuchen aber positiv zu bleiben und das Beste draus zu machen. Wir hätten den Ort der Quarantäne durchaus schlechter treffen können. 

Und so bereiten wir uns jetzt schon unbewusst auf unsere Atlantiküberfahrt vor.

„3 Wochen auf kleinsten Raum, keine sozialen Kontakte und Essen nur aus Dosen. Das ist keine Ausgangssperre, sondern eine Atlantiküberquerung mit dem Segelboot.“

Aus diversen Gründen hatte die Atlantiküberfahrt 2019 bei uns nicht geklappt. Jetzt sind wir heilfroh, dass es so gekommen ist. Sonst säßen wir, wie viele andere Blauwassersegler in der Karibik fest, die nicht wissen wie es weitergeht – die Hurrikansaison rückt immer näher!!!

Wie geht es weiter?

Was uns am meisten Sorgen bereitet, ist die finanzielle Situation. Unser Budget schrumpft von Tag zu Tag und durch die Krise sind unsere Jobs, die wir dringend benötigt hätten, weggebrochen. Im Mai wollten wir nach Hause fliegen, um eine Monat durchgehend zu jobben und unseren Reisekasse aufzufüllen. Das können wir jetzt natürlich knicken.

Vor Corona war unser Plan, alle Kanarischen Inseln zu besuchen. Ob wir die komplette Route noch segeln werden, wird sich zeigen. La Gomera und El Hierro werden wir aber auf jeden Fall mitnehmen. Im Herbst wäre unser Ziel dann Senegal, Gambia und die Kapverden. Im Dezember oder Januar die große Überfahrt nach Südamerika und die Karibik. Aber das alles steht jetzt in den Sternen.

Fazit - unsere Meinung zu Corona

Neben all den schrecklichen Meldungen über zigtausend Tote und noch mehr Erkrankte, der wirtschaftlichen Katastrophe und der Ungewissheit was da noch alles auf uns zukommt, finden wir, dass die Corona-Krise auch einige gute Seiten hat.

Die Welt kann durchatmen, die Natur erholt sich, die Delphine schwimmen bis in die Hafenbecken. Auch die Menschen besinnen sich wieder auf das Wesentliche, die Pflegekräfte, Lehrer und sonstigen vernachlässigten Berufe  werden endlich geschätzt, man schaut aufeinander, der Zusammenhalt wächst in der Gesellschaft.

Klar gibt es auch immer Ausreißer – die Verschwörungstheoretiker, die Klopapier-Hamster, die Corona-Party Kids, und die Unbelehrbaren. Aber im Großen und Ganzen finden wir die soziale Entwicklung in der Krise wirklich positiv. Jetzt hoffen wir nur, dass der Spuk bald ein Ende hat und wir alle daraus lernen!

In diesem Sinne  – Bleibt gesund, munter und immer positiv!

artikelvonanderswo

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