Vor einigen Monaten waren wir selbst noch Anfänger auf dem Gebiet der Bootswartung. Nach und nach haben wir uns die verschiedenen Fähigkeiten angeeignet und möchten dir mit unseren leicht verständlichen Erklärungen, Wartungsanleitungen und Tipps helfen, dass auch du bald ein Profi in Sachen Bootswartung bist.
Bitte beachte, dass die folgenden Angaben unsere persönlichen Erfahrungen mit dem Schiffstyp "Dehler" sind. Von Schiff zu Schiff gibt es bezüglich der Bootswartung selbstverständlich Unterschiede. Bitte prüfe in jedem Fall auch deine Hersteller-Unterlagen, Gebrauchsanweisungen & Warnhinweise.
Motor

Ölwechsel

Das Öl hat zwei wichtige Aufgaben:

  1. Es dient der Schmierung des Motors, insbesondere der Ventile, und verhindert damit einen schnellen Verschleiß.
  2. Das Öl  trägt zur Kühlung des Motors bei. Auf dem Meer wird durch das Salzwasser der Motor mehr beansprucht und deswegen ist der Ölwechsel wichtiger und wird in kürzeren Abständen durchgeführt als bei einem Auto.

Laut Hersteller soll man bei unserem Motor Volvo Penta 2003, den Ölwechsel nach 50 Betriebsstunden machen. Wir finden das ein wenig übertrieben und haben es auf 100 Betriebsstunden erweitert. Das mache ich auch immer etwas von unserem Vorhaben bzw. der zurückzulegenden Strecke abhängig.

Wichtig! Bevor du mit dem Ölwechsel beginnst, den Motor warmlaufen (nicht heiß) lassen. Damit löst sich, falls vorhanden, der Öl-Schlamm (Schmutzpartikel) und kann mit abgesaugt werden.

Vor jeder Fahrt sollte immer der Ölstand kontrolliert werden. Verreibe danach das Öl zwischen den Fingern. Sollte sich die Konsistenz verändert haben oder  kleine Metallabreibungen spürbar sein, muss das Öl sofort gewechselt und nach der Ursache geforscht werden.

Ölfilter wechseln

Volvo Penta empfiehlt Motoröl & Filter nach ca. 50 bzw. 100 Betriebsstunden zu tauschen, oder mindestens einmal im Jahr, entweder beim Ein- oder Auswintern.

Wir wechseln Öl & Filter immer zusammen nach ca. 100 Betriebsstunden. Wenn es um das Herzstück unseres Schiffes, den Motor geht, tauschen wir lieber einmal zu oft, um sicher zustellen, dass er uns noch lange gute Dienste leistet.

ölfilter
Ölfilter wechseln

Dieselfilter am Tank wechseln (Kraftstofffilter)

Der Kraftstofffilter befindet sich am Tank und filtert den gröbsten Dreck bzw. Verunreinigungen aus dem Kraftstoff heraus. Er gewährleistet eine ordentliche Kraftstoffzufuhr und verhindert, dass der Motor Schaden nimmt.

Kontrolliere diesen Filter regelmäßig. Wir machen das nach ca. 50 Betriebsstunden.

Eine Sichtprüfung sieht wie folgt aus:

Schraube den Filter ab und stelle ihn umgedreht in einen Behälter. Dadurch läuft der Diesel heraus und du kannst sehen, wie verdreckt der Filter ist. Bei starker Verschmutzung muss er gewechselt werden.

Es kann auch passieren, dass Wasser in den Tank gelangt, das dem Motor erheblich schadet. Du kannst das an den schwimmenden Blasen sehen, die aussehen wie Fettaugen im Nudelwasser. 

Ursachen können sein: Schwitzwasserbildung, Entlüftungsöffnung, Wassergehalt im Diesel.

Wenn es nur ein paar Tröpfchen sind, ist es noch in Ordnung. Sollte es mehr sein, ziehe besser einen Fachmann hinzu. 

Ohne die oben genannten Punkte, solltest du nach ca. 300 Liter verbrauchtem Treibstoff den Dieselfilter regelmäßig wechseln.

Dieselfilter am Tank wechseln
Treibstofffilter am Tank

Dieselfilter am Motor wechseln

Der Dieselfilter sitzt am Motor. Nachdem der Kraftstofffilter seine Arbeit gut macht und den gröbsten Dreck bereits herausfiltert, wird der Dieselfilter weniger beansprucht und muss auch nicht so häufig gewechselt werden. 

Mein Faustregel:

Ich führe wie bei Kraftstofffilter regelmäßige Sichtprüfungen durch. Spätestens nachdem ich den Kraftstofffilter 2x getauscht habe, wechsel ich den Dieselfilter am Motor.

dieselfilter
Dieselfilter am Motor

Getriebeöl

Es gibt 2 Antriebssysteme:

Saildrive ist eine spezielle Antriebskonstruktion bei Motor- oder Segelyachten und ist eine leicht einzubauende Kompaktanlage.

Der Motor wird im Schiffsrumpf eingebaut. Von dort führt ein fest verbundener Schaft mit einer Antriebswelle (Propellerwelle) senkrecht nach unten und tritt an einer Öffnung im Rumpf aus.

Zwischen Schaft und Rumpf sind Gummimanschetten angebracht, die zur Abdichtung dienen. Am Schaftende wird die Antriebswelle rechtwinkelig umgelenkt und tritt horizontal aus. Daran ist der Propeller montiert. Die Ansaugung von Kühlwasser erfolgt über den Schaft. An dieser Stelle kann Wasser eindringen.

Genau an dieser Stelle, kann es passieren, dass Wasser in das Getriebe kommt. Wenn das nach Sichtprüfung (siehe Punkt “Motoröl”) der Fall ist, ist die Schmierkraft nicht mehr gegeben und das Schiff muss aufs Trockendock um das Getriebeöl zu tauschen.

Innenbordmotor (auch Innenborder). Die Antriebswelle muss an irgendeiner Stelle durch den Rumpf nach außen geführt werden. An dieser Stelle ist die sich drehende Welle durch eine Stopfbuchse abgedichtet. Durch diese Bauweise kann kein Wasser in das Getriebe laufen.

Bei beiden Varianten ist das Getriebeöl wichtig, damit der Antrieb geschmeidig läuft und nicht kaputt geht.

Wir haben einen Innenbordmotor und wechseln das Getriebeöl einmal im Jahr. 

Getriebeöl
Getriebeöl einfüllen & Ölmessstab

Impeller tauschen

Der Impeller sitzt direkt am Motor und zieht das Meerwasser von außen an um ihn zu kühlen. Das ist einer der wichtigsten Teile und ich kontrolliere bei jedem Motorstart, ob genug Kühlwasser aus dem Auspuff gespuckt wird.

Wenn ich der Meinung bin, dass der Wasserdurchfluss geringer wird, tausche ich den Impeller sofort aus, um eine Überhitzung des Motors zu vermeiden.

impeller
Impeller

Stopfbuchse der Antriebswelle schmieren

Die Stopfbuchse ist an der Kurbelwelle befestigt, dort wo sie durch den Rumpf nach außen tritt. Sie verhindert, dass Wasser über das Loch im Rumpf, ins Boot laufen kann.

Durch das Schmieren mit speziellem Fett, “verstopft” man die Buchse zusätzlich bzw. dichtet das Ganze ab, damit so wenig Wasser wie möglich herein läuft.

Das betrifft allerdings nur die Schiffe, die einen Innenbordmotor mit Kurbelwelle haben. 

Je nach Nutzung des Schiffs, sollte man die Stopfbuchse alle 200 Stunden bzw. einmal im Jahr überprüfen und schmieren.

stopfbuchse
Stopfbuchse
Wenn du Öl für den Ölwechsel benötigst, besorge es nicht in den oftmals überteuerten Marine Shops, sondern an einer PKW-Tankstelle. Da kostet es nur die Hälfte.
Sicherheit

Rettugsweste

Deine Sicherheit ist das Wichtigste!

Alle Rettungswesten sollten regelmäßig vom Fachmann gecheckt werden. Besonders bei automatischen Rettungswesten ist die Einhaltung, des vom Hersteller vorgegebenen Wartungsintervalls, unbedingt erforderlich.

Ist vom Hersteller kein Wartungsintervall angegeben, raten ich dir eine Wartung nach 2 Jahren zu machen.

Nachdem eine automatische Rettungsweste zum Einsatz gekommen ist, beginnt das Wartungsintervall ab dem Zeitpunkt, nachdem du die CO²-Kartusche sowie die Automatik-Tablette (Pill-Cage) ausgetauscht hast.

Praxis Tipp: Schreibe dir sofort nach dem Kauf, an einer nicht sichtbaren Stelle, das Kaufdatum mit wasserfestem Edding auf die Weste. So weißt du immer, wann die nächste Wartung fällig ist.

Rettungsinsel

Rettungsinseln müssen in der Regel alle 1-3 Jahre gewartet werden. Ähnlich wie bei der TÜV-Plakette, findest du das Datum der letzten und nächsten Wartung auf dem Typenschild,  welches auf der Rettungsinsel angebracht ist.

Entweder du fragst bei der Marina nach einem Fachmann vor Ort fragen oder du suchst im Internet. 

Für unsere letzte Wartung der Rettungsinsel, haben wir in Griechenland knapp 200 Euro bezahlt.

Blitzboje / Seenotleuchte checken

Die Blitzboje oder auch Seenotleuchte ist eine Art elektrische Fackel, die zusammen mit einer Rettungsweste am Heckkorb angebracht ist, und bei einem Mann über Bord Manöver ins Wasser geworfen wird.  Die Blitzboje/Seenotleuchte ist vor allem bei einem Seenotfall in der Nacht überlebenswichtig.

Die Boje besteht aus mehreren elektrischen Bauteilen. Einer Glüh- oder Blitzlampe und Batterien. Gelegentlich kommt es vor, dass die Boje runterfällt weil man beim Ein- und Aussteigen hängen bleibt. Die ältere Modelle sind noch mit Glühlampe und Glühdraht ausgestattet. Da kann es bei Erschütterungen passieren, das der Draht reißt und die Boje im Ernstfall nicht leuchtet.

Deswegen solltest du immer mal wieder die Boje umdrehen und prüfen, ob die Lampe angeht. Wenn das nicht passiert, sofort Batterien und Lämpchen checken bzw. tauschen.

Seenotleuchte
Seenotleuchte prüfen

EPIRB

Das Wartungsintervall ist vom Hersteller und Produkt abhängig. Bitte lese in der Gebrauchsanweisung nach.

Bei der Wartung tauscht der Fachmann die Batterien. Das kann / darf man nicht selbst machen.

Bei älteren Geräten geht man von ca. 2 Jahren aus. Neuere Geräte brauchen in der Regel alle 5 Jahre eine Wartung.

Vor längeren Überfahrten, ist es sinnvoll einen Funktionstest mit Hilfe des Test-Knopfs durchzuführen. Allerdings sollte der Test nicht zu oft gemacht werden, da er so die Batterielaufzeit verringert.

Hier findest du eine ausführlichen Bericht zum Thema EPIRB: Blauwasser.de

Feuerlöscher

Feuer an Bord eines Schiffs gehört zu den Worst-Case-Szenarios. Darum sollten immer ausreichend Feuerlöscher mit geführt werden.

Die Prüfplakette ist auf dem Feuerlöscher deutlich zu sehen. Sollte die Plakette doch einmal fehlen oder nicht mehr lesbar sein, gilt folgende Regel:

Dauerdrucklöscher sind längstens alle zwei Jahre einer äußeren Prüfung vom Fachmann zu unterziehen.
Darüber hinaus müssen Nassdauerdruckfeuerlöscher längstens alle zwei Jahre und Pulverdruckfeuerlöscher längstens alle vier Jahre zur Prüfung des Feuerlöschmittels und des Behälterinnenraumes vom Fachmann geöffnet werden.

feuerlöscher an bord
Prüfplakette auf Feuerlöscher

 

Sonstige Anlagen

Gasleitung / Gasanlage

In der Regel lässt man die Anlage vor Inbetriebnahme oder bei Änderungen (Bootsübernahme) von einem Fachmann prüfen. Ansonsten gilt ein Wartungsintervall von 3 Jahre.

Was man immer machen kann, ist eine vereinfachte Dichtheitsprüfung mit einer Sprühflasche & Spülmittel.

  1. Fülle in eine Sprühflasche ein wenig Spülmittel.
  2. Sprühe alle Verbindungsstellen oder Stellen, an denen du ein Leck vermutest, mit der Flüssigkeit ein.
  3. Wenn Gas austritt, erkennst du das an der entstehenden Blasenbildung. Wenn das der Fall ist, sofort das Gas abdrehen!!
  4. Dann schadhafte Stelle austauschen oder besser einen Fachmann rufen.

Wir checken auch immer mal wieder die orangefarbenen flexiblen Gas-Schläuche. Dort ist ein Herstellungsdatum aufgedruckt. Im Allgemeinen halten diese zwischen 5 bis 10 Jahre. 

Ruderkoker fetten

Der Ruderkoker ist ein wasserdichtes Rohr durch den Rumpf, das senkrecht bis deutlich über die Wasserlinie geführt ist und den Ruderschaft aufnimmt.

Diesen Koker muss man regelmäßig fetten, um das Ruder leichtgängig zu halten. Dafür spritzt man ausreichend Fett z.B. mit Hilfe eines Schmiernippels hinein.

Wir machen das zwei mal im Jahr und verwenden die Bio-Variante “Staufferfett“.

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