Die Marina von Las Palmas auf Gran Canaria ist wirklich nicht die Schönste und die Sonne lässt sich auch selten blicken, aber wir sind diesmal nicht zum Vergnügen hier, sondern haben viel an unserer Lagertha zu tun. Während des Lockdowns auf La Palma, hatte wir genug Zeit, unser Boot unter die Lupe zunehmen und die to-do´s zusammen zuschreiben.

Ich wollte unbedingt wegen des sagenumwobenen Second-Hand-Schiffsausrüsters, von dem uns so viele Segler erzählt hatten, nach Gran Canaria. Leider kamen wir ganze zwei Jahren zu spät. Zum Glück haben wir über Julias Vater, René kennengelernt. “Mr. White Guy” (er trägt nämlich ausschließlich Weiß) ist vor 15 Jahren auf Gran Canaria “gestrandet” und kümmert sich seitdem, um alle kleinen und großen Nöte der Seglern. Sein Rundum-Service ist besonders gefragt, wenn die ARC in der Marina von Gran Canaria zu Gast ist. “Danke René für deine Hilfe und die lustigen Momente! Wir sehen uns dann bald auf Cuba wieder.”

Warmes Bier, ein NO-GO!

Nachdem wir uns die letzten 10 Monaten mit nur 80 Watt Solarpower rumgeschlagen haben, musste endlich was passieren. “Wir brauchen definitiv mehr Power!” Den Kühlschrank mussten wir so weit runterdrehen, dass das Bier nicht richtig kühl wurden. “Das geht ja gar nicht!” Zur Abwechslung habe ich mal den Rat von Julia befolgt, der hieß: “Kauf lieber gleich was Gescheites, sonst müssen wir es am Ende zweimal kaufen”. Gesagt, getan. Ein paar Tage später konnte ich die neuen Teile abholen und einbauen.

Zwei 175 Watt Solar Panels zu je 120€ und ein neues, maßgeschneidertes Gestell für die beiden Ungetüme. Ich war schon ein wenig verunsichert, als ich das Teil vom Schlosser abholte (knapp vier Meter Spannweite und einem Meter Tiefe). Das Ding ähnelte eher einem Flugzeug Heckspoiler, als einer Halterung für Solar Panels. Aber zu unser Verwunderung, fügt er sich super ins Gesamtbild ein. Und der gebrauchte Dinghy-Kran fand darunter auch noch seinen Platz.

Alte Bekannte und ein Hippie Schnupperkurs

Unsere zwei liebgewonnen Backpacker Pascal und Fabienne, die Anfang des Jahres auf Lanzarote bei uns gelebt hatten, sind wieder Teil unserer Crew. Sie wollte eigentlich mit einem anderen Schiff direkt auf die Kapverden, sind aber wegen des Lockdowns auf Gran Canaria hängen geblieben. Die beiden luden uns spontan in ihr “Zuhause auf Zeit” ein. Ein Hippie Dorf irgendwo im nirgendwo. So ein wunderschöner Ort, in Mitten der Insel, abseits jeglicher Zivilisation – kein Strom, kein fließendes Wasser. Der Häuptling des Dorfs Jóse, lebt dort seit 15 Jahre und baut nach und nach Höhlen und Feldvorsprünge, zu kleine, hübschen Höhlenwohnungen aus. Nach zwei chilligen Tagen, fuhren wir mit Pascal und Fabienne zurück aufs Schiff, in die Marina Las Palmas. Ab jetzt werden sie uns ein Stück begleiten. Als Teil der Lagertha Crew, müssen sie auch gleich bei den Reparaturen mithelfen. Wenn alles gut läuft, überqueren wir dann zu viert im Dezember den Atlantik.

Gruppenbild in der alternativen Gemeinschaft auf Gran Canaria

Ein neues Rigg muss her

Auf eine Sache (vor der ich mich eigentlich drücken wollte) hat Julia ausdrücklich bestanden. “Das Rigg muss gecheckt werden! Wenn uns der Mast runterkommt, ist die Reise vorbei!” Zum Glück ist sie stur geblieben und hat nicht locker gelassen. Und tatsächlich, an den Wanten und am Vorstag war das Stahlseil angeknackst und mussten getauscht werden. Die seitlichen Wanten, waren ein Kinderspiel, im Gegensatz zum Vorstag.

“So eine Scheiß Arbeit!” Ich hing auf 15 Meter, bekam das Vorstag fast nicht raus und unten standen drei Mann bereit, um das Monster (Vorstag mit Rollanlage) entgegen zu nehmen. Ich habe geflucht, geschimpft und der provisorisch gesicherten Mast gab mir auch nicht so recht das Gefühl von Sicherheit. Aber nach einigen Stunden Blut, Schweiß und Schufterei war auch das endlich geschafft. Der Mast steht zwar wieder sicher und Julia ist glücklich, dafür ist unsere Bordkasse jetzt leer. 

Let´s go surfing

Bei aller Arbeit, darf der Spaß bei uns nicht zu kurz kommen und wir finden, Surfen gehört zu einer Langfahrt, wie das Salz in die Suppe. Schon in Lanzrote hatten wir mit einem Surfbrett geliebäugelt. Hier, in einen Sportgeschäft, haben wir zugeschlagen und ein günstiges Anfängerbrett geschossen. Den Kurs konnten wir uns auch sparen – glücklicherweise hatte das Pascal vor einigen Jahren schon für uns erledigt. Jetzt war er unser Lehrer und wir stürzten uns in die Wellen. Einfach just for fun – sogar mit keinen, ersten Erfolgen. Die Surfer am langen, sandigen Stadtstrand, sind alle super freundlich und man kommt sich (fast) nicht in die Quere. Ein super Spot also, um mit dem Wellenreiten anzufangen.

Unseren Videobeweis gibt es erst, wenn wir die ersten Wellen einigermaßen stehen. Solange könnt ihr euch vorstellen, wie wir alle Minute nicht besonders elegant ins Wasser plumpsen und jeden Menge Wasser schlucken.

Tipps & Tricks rund um die Marina Las Palmas

Hier geht´s zu einem super, ausführlichen Beitrag über die Marina Las Palmas. Liegeplatzgebühren, Kontaktdaten, Lageplan, uvm.:

laspalmastourist.com

Laut Office ist es nicht möglich sich Pakete zur Marina liefern zu lassen, aber man kann es sich zur Post in Las Palmas schicken  lassen. 

Ganz wichtig für Lieferungen aus dem Ausland! Man braucht unbedingt die spanische Steuernummer und Telefonnummer vom Empfänger. Unser Paket hing deshalb einen Monat im Zoll. Sehr sehr ärgerlich.

Mit einem guten Service, braucht man hier nicht rechnen. Die Marina Las Palmas  ist kein privater Hafen aber deshalb auch sehr günstig. Wir haben für für 12 Meter, ca. 8 Euro am Tag bezahlt.

Ein “heißer” Tipp für alle Männer: In den Duschen neben der Sailor Bar, gibt´s sogar warmes Wasser für euch. 😉

Im Gegensatz zu privaten Marinas, in denen man lt. Hausordnung nicht mal Wäsche auf dem Schiff aufhängen darf, kann man hier super am Boot bauen. Baulärm ist hier normal und vollkommen ok.

Die schwarzen Bretter (in der Sailors Bar und an Parkplatz neben Strand) war leider fast leer. Da hatten wir uns wirklich mehr erhofft. Vielleicht sind sie während der ARC besser bestückt?

Die Segler sind hier alle so nett und hilfsbereit. Einfach anquatschen und fragen. Sie standen uns immer mit Rat und Tag zur Seite. Echt toll, der Zusammenhalt der Segler. 

Die TO-DO Liste war lang

Hier ein kurzer Überblick, was wir in dem Monat Schufterei alles geschafft haben. Waren wir nicht fleißig? Ein bisschen Stolz bin ich ja schon!

  • 2 neue Solar Panels + Halterung
  • die alten Panels zum Ausklappen an der Reling angebracht
  • Neue Leitungen gezogen + Solar Regler eingebaut
  • Außenborder Kran installiert
  • Sonnensegel selbst genäht, da wir auf der Dehler leider kein Bimini installieren können. Not macht erfinderisch. 
  • Windschutz selbst genäht =>  Gerade bei der Atlantiküberfahrt, hält er die Gischt ab und verhindert, das die Feuchtigkeit und der Wind ins Schiff kommt.
  • AIS-Wlan
  • Rigg erneuert
  • Autopilot reparieren lassen
  • Ersatz -Windfahnen für Windpilot gemacht
  • Großfall getauscht
  • Ankerwinsch repariert
  • Neue Matratze gekauft
  • Rettungs-Schwimmleine + Abroller installiert
  • und noch viele, kleine Dinge mehr…..

Shop Übersicht

Die besten und für Bastler nützlichsten Shops (wie z.B.: Gasfüllstation, Schloßer, Baumarkt, etc) haben wir hier in dieser Karte zusammen gestellt. 

Fazit

Das Mekka für alle, die an ihrem Schiff schrauben und basteln müssen. Super ausgestattete Läden, ein kleiner Supermarkt, relativ günstige Fachfirmen und eine kleine Werft und das alles im Hafenareal. Das Wetter (fast immer bewölkt) ist perfekt zum Arbeiten,Sporteln oder Surfen. Uns hat das Wetter nach zwei Wochen ganz schön auf die Stimmung geschlagen und wir wollten so schnell wie möglich weiter in den Süden. Von der Stadt selber haben wir nicht viel gesehen. Sie ist nicht besonders hübsch und einladend. Was soll man sagen, eine Inselhauptstadt halt. Nach über einem Monat, waren wir sehr froh, als alles erledigt war und wir weiter segeln konnten. Trotzdem bekommt Las Palmas von uns, gerade für die Refit-Möglichkeiten und den günstigen Liegeplatz, einen Daumen hoch.

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