Wie kann man einen Ruckdämpfer fürs Boot selber machen? Was nimmt man dafür her? Und funktioniert es überhaupt? Das haben wir uns gefragt, als unsere Gummi-Ruckdämpfer kaputt gingen und wir wegen des Corona Shutdowns keine Möglichkeiten hatten, einen neuen Ruckdämpfer zu besorgen. In der Marina Santa Cruz de La Palma ist der Schwell und Wind sehr stark und wir mussten uns dringend Alternativen überlegen. Deswegen habe ich mich schlau gemacht. Welche kostenlosen und DIY Ruckdämpfer-Alternativen gibt es? Ich habe mich durch Foren gelesen, Segelfreunde befragt und viel gegoogelt. Alle gesammelten Vorschläge habe ich selbst gemacht, ausprobiert und getestet.

In diesem Beitrag, möchte ich dir die verschiedenen kostenlose Alternativen für einen gekauften Ruckdämpfer zeigen. Wie man sie selber macht, benutzt und welche Vor- & Nachteile sie haben.

Grundsätzlich muss ich sagen, dass natürlich ein gekaufter Gummi- oder Federdämpfer aus meiner Sicht, immer noch die beste Möglichkeit ist, das Boot abzufedern. Dennoch gibt es andere, gute Möglichkeiten. Gerade bei Langzeitseglern sind kostenlose Alternativen immer sehr beliebt, weil sie in fernen Ländern oft nur schwer an Ersatzteile kommen (z.B. lange Lieferzeiten) und die Reisekasse meistens sehr knapp bemessen ist.

Gummi- & Federdämpfer Alternativen

Man kann die Alternativen in 2 Kategorien einteilen:

  1. Festmacherleine
  2. Gegenstände zweckentfremden

Durch diese Technik verlängert man die Seillänge und gewinnt dadurch mehr Dehnung. Ist logisch, weil mehr Seil auf kürzere Distanz zum Einsatz kommt. Zusätzlich haben die Schlaufen auch einen Puffer-Effekt.

Ich habe zwei verschiedene Arten gefunden – den Marlschlag und den Zopf. Die Marlschlag Variante, habe ich schon bei vielen anderen Schiffen im Hafen gesehen. 

Marlschläge

Zopf

Marlschläge

Marlschläge bzw. Luftmaschen sind ganz einfach zu knoten. Das funktioniert aber nur mit Festmachleinen, weil nur sie sich dehnen lassen. Vorteil ist, dass man auch sehr dickes & sperriges Tauwerk nehmen kann. (z.B. geflochtenes Hanfseil). 

Fazit: Eine schnelle und elegante Lösung. Ich verwende sie hauptsächlich als Spring. Funktioniert super und ich würde diese Variante auf jeden Fall weiter empfehlen.

Zopf

Der Zopf ist im Prinzip das gleiche, wie die Marlschläge. Der Unterschied ist, dass der Zopf etwas schwieriger zu machen, und der Dämpfungseffekt geringer ist. Besonders wenn man mit längeren und dickeren Seilen arbeitet, ist der Zopf nicht wirklich zu empfehlen. 

Fazit: Leider ziehen sich die Schlaufen nach ein paar Tagen Dauerbelastung immer mehr zusammen und es ist fast kein Dämpfungseffekt mehr vorhanden. Diese Variante würde ich nicht weiterempfehlen. Vielleicht nur als hübsche Deko 🙂

Tipp: Für die Wahl des richtigen Durchmessers deiner Festmacherleine, gibt es einen super Trick. Addiere zu der Länge deines Bootes 2m, um den richtigen Durchmesser der Festmacherleine zu ermitteln.
Rechenbeispiel: Für ein Boot mit 10m Länge, beträgt der Durchmesser der Festmacherleine 12 mm.

Gegenstände zweckentfremden

Sobald es was zu Basteln und Auszuprobieren gibt, freue ich mich wie ein kleines Kind. Die nächsten Punkte beschäftigen sich damit, wie ich Ruckdämpfer selber, mit Materialien und Gegenstände mache, die ich ausschließlich auf meinen Boot oder auf der Straße finde. 

Achtung! Bitte verwende bei allen Varianten, die ich hier zeige und die du nachbaust, auch immer eine zusätzliche Leine als Sicherung. Es kann immer mal passieren, dass es der Dauerbelastung nicht standhält und reißt. 

Alte Kanistern

Für diese Variante benötigt du einen Wasserkanister (ab 5 Liter). Der wird einfach in der Mitte der Festmachleine mit einer Schlaufe befestigt. Sobald sich das Boot bewegt, hebt es den Kanister aus dem Wasser. Durch das Gewicht wird das Schiff langsam abgebremst.
Man kann dafür alles verwenden, was schwer ist. Zum Beispiel einen kleinen Beiboot Anker oder Steine, die man in einen alten Jutesack packt o.ä. . Da sind deiner Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Fazit: Meine persönliche Lieblingslösung. Es ist ganz einfach zu installieren und der Effekt ist sofort spürbar. Seitdem spühren wir kein ruckeln mehr und schlafen wunderbar. Nachteil ist, es funktioniert nur, wenn man genügend Platz am Steg für lange Leinen hat.

Expander oder Gummibänder

Eine ganz einfache Möglichkeit ist es, mit Gummibänder oder Expander das Schiff zu dämpfen. Da eignet sich am besten, die Expander Gummibänder, wie man sie aus dem Salon oder der Pantry kennt. Man nimmt ca. 2m (achte bitte auf den Durchmesser, der sollte natürlich nicht zu dünn sein) und verknote die Enden und lege mehrere Schlaufen zu einem Ring. Am Schluss werden noch zwei Seile in den Ring geknotet. Das eine Ende am Boot befestigen und das andere Ende an der Klampe anschlagen.

Fazit: Auch an dieser Variante gibt es nichts auszusetzen. Sie hat sehr gute Dämpfungseigenschaften. Nur wie lange die Gummis das aushalten, weiß ich noch nicht. Wenn ich mein Schiff für mehrere Wochen verlassen, dann würde ich nur diese Variante nicht vertrauen.

Dämpfer mit Fender

Version 1:
Im Yacht Segelforum bin ich auf diese Fenderdämpfer Methode gestoßen. Leider hatte ich nur eine Skizze und musste improvisieren. Man nimmt eine Leine, zieht sie durch die eine Öse des Fenders, wickelt die Leine zwei mal herum und führt die Leine bei der anderen Öse heraus. Leichter gesagt als getan.

Version 2:
Einfach zwei Festmacherleinen an beiden Enden des Fenders verknoten. Mir ist der Test zu riskant, weil mir mein Fender zu schade ist, wenn es schief geht. Vielleicht finde ich mal einen Alten, mit dem ich den Test machen kann.

Fazit: Beide Versionen sind durchgefallen und haben nicht funktioniert. Aber vielleicht habe ich einfach nur was falsch gemacht?!

Ankerkette raus

Eine ganz einfache Methode soll sein, den Anker raus zu lassen. Das Gewicht des Ankers und der Kette ziehen das Boot nach unten und dämpfen den Schwell und halten das Schiff besser auf Position.

Fazit: Die Idee ist ganz nett aber so richtig hab ich keinen Unterschied gemerkt .

Über Kreuz vertauen

Eine sehr gute Methode ist natürlich auch das Schiff gut zu vertauen. Am besten funktioniert es, wenn man die Leinen kreuzt. 
Generell gilt die Faustregel, um so länger der Festmacher, desto besser ist der Dehnungseffekt. 

Fazit: Das mache ich immer, wenn es schnell gehen muss und ich nur eine Nacht bleibe.

Fazit

Ich bin wirklich sehr überrascht, wie gut einige der Alternativen funktionieren und kann sie ohne Bedenken empfehlen. Dennoch würde ich Gummidämpfer oder Federndämpfer vorziehen, wenn ich sie an Bord hätte. Ich kaufe mir aber vorerst keine Dämpfer, sondern werde den Langzeittest auf der Reise machen.

Auf diesem Weg, möchte ich mich nochmal ganz herzlich bei meinen Tippgebern aus den Segelforen bedanken. Sie haben mich Greenhorn bei dem Beitrag sehr unterstützt und mir geholfen, so viel Ruckdämpfer Alternativen wie möglich zu finden. 

Ich wünsche dir jetzt viel Spaß beim Nachmachen und Ausprobieren! Über Feedback oder weitere Tipps, würde ich mich sehr freuen. 

Leave a comment

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.